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@@ -66,6 +66,135 @@ Anhand des Galton-Brettes lässt sich nun wie bereits beschrieben leicht erkenne
% Teilsortiert: % Teilsortiert:
\subsection{Taylor-Approximation}
Um eine Taylorpproximation für eine Funktion zu finden, müssen wir zunächst nachweisen, dass die Funktion die wir approximieren wollen, $(n+1)$-mal differenzierbar ist. Da wir unsere Approximation nach dem quadratischen Term abbrechen werden genügt es zu zeigen, dass $\ln(1-x)$ dreimal differenzierbar ist.
\begin{lemma}{dreimalableiten}
$f(x)=\ln(1-x)$ ist mindestens dreimal differenzierbar.
\end{lemma}
\begin{proof}
Zum Beweis berechnen wir die drei Ableitungen.
\begin{align*}
f'(x)&=(\ln{(1-x)})'\\
&=\frac{1}{1-x}\cdot(1-x)'&&\text{Kettenregel}\\
&=-\frac{1}{1-x}\\\\
f''(x)&=(f'(x))'\\
&=\left(-\frac{1}{1-x}\right)'\\
&=\frac{(-1)'\cdot(1-x)-(-1)\cdot(1-x)'}{(1-x)^2}&&\text{Quotientenregel}\\
&=\frac{(1-x)'}{(1-x)^2}&&\text{da } (-1)'\cdot(1-x)=0\\
&=\frac{1}{(1-x)^2}\\\\
f'''(x)&=(f''(x))'\\
&=(\frac{1}{(1-x)^2})'\\
&=\frac{(-1)'\cdot(1-x)^2-(-1)\cdot\left((1-x)^2\right)'}{\left((1-x)^2\right)^2}&&\text{Quotientenregel}\\
&=\frac{\left((1-x)^2\right)'}{(1-x)^4}&&\text{da } (-1)'\cdot(1-x)^2=0\\
&=\frac{-2\cdot(1-x)}{(1-x)^4}&&\text{Kettenregel}\\
&=\frac{-2}{(1-x)^3}
\end{align*}
\end{proof}
Nun haben wir nachgewiesen, dass die Funktion $\ln(1-x)$ dreimal differenzierbar ist.
\begin{bemerkung}
Mit einem Blick auf die Funktion und wie ihre Ableitungen gebildet werden, ist leicht zu erkennen, dass $\ln(x-1)$ sogar unendlich oft differenzierbar ist.
\end{bemerkung}
Bevor wir die Approximation nachweisen ist eine formale Definition des Satzes von Taylor und dem Taylorpolynom nötig, wobei letzteres aus dem Satz von Taylor folgt.
\begin{satz}[Satz von Taylor\footnote{Enders, J., Analysis II (2024)}]{taylor}
Seien $n\in\mathbb{N}_0, f:[a,b]\rightarrow\mathbb{R}$ eine $(n+1)$-mal differenzierbare Funktion und $x_0\in[a,b]$.
Dann gilt für alle $x\in[a,b]$ die Darstellung
\[
f(x)=\sum_{k=0}^{n}\frac{1}{k!}f^{(k)}(x_0)(x-x_0)^k+R_n(x)
\]
Es existiert ein (von $x$ abhängiges $\xi\in I(x_0,x)$), sodass für das Lagrange-Restglied gilt:
\[
R_n(x)=\frac{1}{(n+1)!}f^{(n+1)}(\xi)(x-x_0)^{n+1}
\]
\end{satz}
\begin{bemerkung}
Das Lagrange-Restglied ist in dein meisten Fällen eine Funktion vom Grad $n+1$, aufgrund des letzten Faktors. Es kann aber auch sein, dass das Lagrange-Restglied das Nullpolynom ist, je nach Wahl von $\xi$ und der Auswertung von der $n$-ten Ableitung von $f$ an der Stelle $\xi$.
Dadurch können wir das Restglied auch auffassen als ein Element von $O(x^n)$. Nach der Definition der Landaunotation gilt: für alle $a,b in \mathbb{R}: a*x^n +b$ liegt in $O(x^n)$. Man kann somit das Landausymbol $O$ als Ansammlung von Funktionen verstehen. Interessanterweise gilt auch eine Relation zwischen den einzelnen "Landaumengen". Für alle $n$ in $\mathbb{N}: O(x^n)$ ist in $O(x^{n+1})$. In der Informatik wird diese Notation genutzt, um asymptotische Verhalten von beispielsweise Laufzeiten zu beschreiben. "Algortihmus A braucht asymptotisch so viel Zeit in Abhängigkeit von der Eingabe, wie eine $x^n$-Funktion".
Die Definition des Taylorpolynoms entspringt direkt dem Satz von Taylor, nur ohne das Lagrange-Restglied.
\end{bemerkung}
\begin{definition}[Taylorpolynom]{taylorpolynom}
\[
T_{f,x_0,n}(x)=\sum_{k=0}^{n}\frac{1}{k!}\cdot f^{(k)}(x_0)(x-x_0)^k
\]
\end{definition}
\begin{bemerkung}
Der Satz von Taylor liefert eine lokale Approximation an eine Funktion $f$ durch das Taylorpolynom.
\end{bemerkung}
Nun können wir unsere Approximation von $\ln(1-x)=-x-\frac{x^2}{2}+O(x^3)$ zeigen.
\begin{lemma}
\[
\ln(1-x)=-x-\frac{x^2}{2}+O(x^3)
\]
\end{lemma}
\begin{proof}
Zunächst ist der Definitionsbereich von $\ln(1-x)$ gleicht dem Intervall $(-\infty,1)$.
Zudem ist die Funktion $\ln(1-x)$ mindestens dreimal differenzierbar. Betrachten wir $x\in(-\infty,1)$ und $x_0=0$.
Das zweite Taylor-Polynom lautet
\begin{align*}
T_{\ln(1-x),0,2}(x)&=\sum_{k=0}^{2}\frac{1}{k!}\cdot (\ln(1-x_0))^{(k)}(x-x_0)^k\\
&=\frac{1}{0!}\cdot\ln(1)\cdot 1+\frac{1}{1!}\cdot(\ln(1))^{(1)}\cdot x+\frac{1}{2!}\cdot(\ln(1))^{(2)}\cdot x^2&&\text{\cref{lem:dreimalableiten}}\\
&=0+1\cdot(-1)\cdot x+\frac{1}{2}\cdot(-1)\cdot x^2\\
&=-x-\frac{x^2}{2}
\end{align*}
Aus dem Satz von Taylor (\cref{satz:taylor}) folgt somit:
\begin{align*}
\ln(1-x)&=-x-\frac{x^2}{2}+R_2(x)
\end{align*}
wobei das Lagrange-Restglied etwa $R_2(x)\approx O(x^3)$, denn
\begin{align*}
R_2(x)&=\frac{1}{(2+1)!}\cdot(\ln(1-\xi))^{(2+1)}\cdot(x-0)^{(2+1)}\\
&=-\frac{1}{3(1-\xi)^3}\cdot x^3\quad\text{für ein }\xi\in(0,x)&&\text{\cref{lem:dreimalableiten}}\\
\end{align*}
wobei nach der Landau-Notation gilt: $a\cdot x^n+b\in O(x^n)$
\[
\Rightarrow\quad \frac{1}{3(1-\xi)^3}\cdot x^3\in O(x^3),
\]
da $\frac{1}{3(1-\xi)^3}$ konstant für ein $\xi$ im Intervall.
Da $\xi$ variabel ist (also von $x$ abhängt), steht $O(x^3)$ stellvertretend für ein gut passendes Polynom vom Grad 3.
\[
\Rightarrow\quad\ln(1-x)\approx -x -\frac{x^2}{2}+O(x^3)
\]
\end{proof}
\begin{bemerkung}
Aus der Definition folgt die Gleichheit beider Funktionen, aber genauer betrachtet kann die ln-Funktion nicht durch ein Polynom dargestellt werden. Es wird immer einen gewissen Fehler geben. Da auch in abhängigkeit von $x$ das $\xi$ gewählt wird, handelt es sich bei dem Lagrange-Restglied nicht um ein Polynom, weil es sich dynamisch verändert.
Wenn wir uns beide Funktionen einmal in GeoGebra plotten, können wir sehen, dass beide Funktionen um unsere Entwicklungsstelle $x_0=0$ herum sehr ähnlich sind.
\end{bemerkung}
\begin{figure}[H]
\centering
\begin{tikzpicture}
\begin{axis}[
domain=-2.95:2.95,
samples=400,
axis lines=middle,
axis equal,
xmin=-3,
xmax=3,
ymin=-3.5,
ymax=3.5,
xtick distance=1,
ytick distance=1,
legend pos=south west,
grid=both
]
% ln(1-x)
\addplot[blue, thick] {ln(1-x)};
\addlegendentry{$\ln(1-x)$}
% Näherung -x - x^2/2
\addplot[red, thick, dashed] {-x - x^2/2};
\addlegendentry{$-x-\frac{x^2}{2}$}
\end{axis}
\end{tikzpicture}
\caption{Darstellung der Funktionen $\ln(1-x)$ und $-x-\frac{x^2}{2}$}
\end{figure}
Würden wir die Entwicklung weiterführen, approximiert die violette Funktion (unser Taylorpolynom) die orangene Funktion $(\ln(1-x))$ immer weiter. Graphisch lässt sich erkennen, dass für Werte im Intervall $I(-0.5,0.5)$ die Funktion $\ln(1-x) \approx -x\frac{-x}{2}$ plus ein kleiner Fehler ist.
\subsection{Gamma-Funktion} \subsection{Gamma-Funktion}
% wird für Beweis der Stirling-Approximation gebraucht % wird für Beweis der Stirling-Approximation gebraucht
Zum nachfolgenden Betrachtung und des Beweises der Stirling-Approximation betrachten wir nun die Gamma-Funktion, auch \textbf{Eulersches Integral zweiter Gattung} genannt. Sie erweitert die Fakultätsfunktion von den natürlichen Zahlen $\mathbb{N}$ auf reelle und komplexe Zahlen (mit einigen Ausnahmen). Hier betrachten wir der Einfachheit halber nur die Gamma-Funktion in $\mathbb{R}$. Zum nachfolgenden Betrachtung und des Beweises der Stirling-Approximation betrachten wir nun die Gamma-Funktion, auch \textbf{Eulersches Integral zweiter Gattung} genannt. Sie erweitert die Fakultätsfunktion von den natürlichen Zahlen $\mathbb{N}$ auf reelle und komplexe Zahlen (mit einigen Ausnahmen). Hier betrachten wir der Einfachheit halber nur die Gamma-Funktion in $\mathbb{R}$.
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@@ -2,6 +2,7 @@
\usepackage[a4paper]{geometry} \usepackage[a4paper]{geometry}
\geometry{top=3cm,bottom=3cm,left=3cm,right=3.5cm} \geometry{top=3cm,bottom=3cm,left=3cm,right=3.5cm}
\usepackage[ngerman]{babel} \usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{pgfplots}
\usepackage{Matheclub} \usepackage{Matheclub}